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WAT

WAT NEUBAU, Zieglergasse 21, 1070 Wien
Obmann Edgar Mehser, Tel. 0664/435 30 50

Die Geschichte des WAT Neubau

Gegen Ende des 19. Jahrhunderts begann die Buchdruckergewerkschaft ihre Schulungshäuser im 7.Bezirk Zieglergasse 25 und Seidengasse 15 und 17 umzubauen. Zur selben Zeit turnten Freunde in Gumpendorf in den verschiedensten Bierhallen. In die Schulturnsäle durften sie nicht hinein, entstammten sie doch aus der Arbeiterbewegung, die 1892 aus dem Arbeiter- Bildungsverein entstanden ist. Seit damals nannten sich schon einige Bezirksgruppen „Allgemeiner Turnverein“. Die Freunde aus Gumpendorf erfuhren von dem Vorhaben der Gewerkschaft und nahmen Verbindung mit dem Obmann auf, um zu erreichen, dass ein Turnsaal eingebaut wird. Nach einigen Verhandlungen erklärte sich der Obmann bereit, die Kosten für den Einbau zu übernehmen, wenn die Turner für den Einbau der Geräte sorgten.

Im Jahre 1902 war es soweit. Das Geld für die Geräte ist vom Mitgliedsbeitrag und von den sogenannten Ziegelsteinen, die an Freunde und Verwandte verkauft wurden, gespart worden. Die Garderobeeinrichtung wurde von den Turnern selbst gebastelt.
Der „Allgemeine Turnverein“ Neubau wurde gegründet.
Der Turnsaal war fertig und konnte am 20.10.1902 eröffnet werden.

Der 1.Weltkrieg riss große Lücken in die Reihen der Turner. Nach dem Ende des Krieges blühte der Verein wieder auf. Im Jahre 1919 hatten die Neubauer den Beschluss gefasst, den „Wiener Arbeiter Turnverein“ zugründen.
Alle Bezirksgruppen des „Allgemeiner Turnverein“ wurden aufgefordert, mitzumachen. Landstrasse, Wieden und Neulerchenfeld schlossen sich den Neubauern an.
Der WAT wurde gegründet und die Neubauer Funktionäre waren auch gleichzeitig die Zentralfunktionäre. Obmann war TG- Renelt, dessen Bild im Turnsaal Zieglergasse zu sehen war. Erst nach und nach kamen alle Bezirksgruppen des „AllgemeinerTurnverein“ zum WAT.

Der Zieglergasse–Turnsaal wurde bald zu klein, es mussten die Turnsäle der Schulen Neustiftgasse, Burggasse und Neubaugasse dazugenommen werden. Am 21.3.1928 wurde die Gruppe Neubau von einem schweren Unglück heimgesucht. Eine Gruppe Mädchen und Burschen wollten am Sonnblick Skilaufen. Eine Lawine ging ab und verschüttete diese Gruppe. Einige konnten sich selbst befreien und auch einige retten. Für 13 Burschen kam jede Hilfe zu spät, sie konnten nur noch tot geborgen werden. Ein Ehrengrab am Wiener Zentralfriedhof erinnert noch heute daran. Für den Verein war es eine Katastrophe, denn alle diese Toten waren Vorturner und Platzleiter, so dass einige Turnplätze plötzlich keine Betreuer mehr hatten. Ein Hilferuf an alle Bezirksgruppen hatte Erfolg, es kamen junge Vorturner, um zu helfen. So kam auch unser unvergessener Franz Dluhosch zu uns.

Bis zum 12. Februar 1934 ging alles gut. Der Bürgerkrieg brach aus, das Parlament wurde aufgelöst, der Ständestaat ausgerufen. Die Sozialdemokratische Partei und ihre Neben-organisationen wurden verboten, somit auch der WAT. Die Neubauer ließen sich nicht unterkriegen, es wurde zwar alles Schriftliche und Finanzielle beschlagnahmt, nur der Turnsaal blieb uns erhalten. Bald turnten wir unter neuen Namen, sowie GÖTZ – CLUB, Sport – Club Herzmansky, Sport – Club Gerngross. Zum Schluss nannten wir uns wieder Allgemeiner Turnverein. Zu dieser Zeit hatte auch die Illegale Partei bei uns Unterschlupf gefunden. Im Turnsaal wurde geturnt und in der Garderobe war reges Treiben der Illegalen. Erst im Jahr 1938 haben uns die NAZI den Turnsaal weggenommen.

Anfang 1946 kamen langsam die Turner aus der Gefangenschaft nach Hause. Zu Dritt, Franz Hartinger, Ernst Cekal und Anton Gaugusch (der Verfasser dieser Zeile) beschlossen, den WAT – Neubau wieder aufzubauen. Wir besuchten Vorturner und versuchten diese, zur Mitarbeit zu bewegen. Verbindung zur Zentrale wurde aufgenommen. Von der Hausverwaltung erfuhren wir, dass wir noch immer Hauptmieter sind. Im Turnsaal hatte sich der Kommunistische Jugendverband breit gemacht. Mit einigen Tricks konnten wir diesen aus dem Turnsaal herausbekommen. Viele halfen mit, den Turnsaal zu reinigen und die Geräte wieder instand zu setzen.

Ende Mai 1946 war es dann soweit. Ein provisorischer Turnrat wurde gewählt. Im September konnten wir mit zwei Turnabenden pro Woche beginnen. Im Jänner 1947 kamen zwei Kinderplätze dazu. Hier hatten wir unseren größten Erfolg, 30 – 40 Kinder pro Platz. In der Folge versuchten wir verschiedene Sparten aufzubauen, wie Versehrtenturnen, Tischtennis, Judo, Fechten und Basketball. Leider mussten wir Alles wieder einstellen.

Im Jahr 1952 fuhren drei Turnerinnen zum ASKÖ – Bundessportfest nach Linz. Alle drei landeten unter den ersten fünf. Damit begann eine neue Ära in der Gruppe. Wir begannen mit dem Leistungsturnen und hatten bei den Mädchen viel Erfolg. 1953 und 1954 stellten wir die Wiener Landesmeisterin. Wir gewannen fast alles, was im WAT und ASKÖ zugewinnen gab. Einige Male konnten sich unsere Turnerinnen zu den Staatsmeisterschaften qualifizieren. Auch bei den Kinderwettkämpfen waren die Neubauer immer bei den Ersten. Erst in der 2.Hälfte der 60er Jahre mussten wir unseren Turnbetrieb auf Gesundheitsturnen umstellen.

Am 1.Mai ließen wir uns für unseren Bezirk zum Maiaufmarsch eine Attraktion einfallen. So ist der WAT-Neubau jedes Jahr in der Wochenschau, Fernsehen und Zeitung zu finden gewesen.

Anfang der 80er Jahre kam das neue Mietengesetz und damit für uns die größte finanzielle Belastung. Alle Versuche bei der Gewerkschaft, Partei und Mietervereinigung uns zu helfen, schlug fehl. 1984 mussten wir unseren Turnsaal, in dem wir 82 Jahre zu Hause waren, verlassen. Leider bekamen wir in der Schule viel weniger Turnzeit als wir gebraucht hätten. So waren wir gezwungen, zwei Kinderplätze und den Jugendplatz zu sperren.
In den 90er Jahren wurde auch der Platz für Sportgymnastik (im Gymnasium in der Kandlgasse) und der Er und Sie Platz wegen Besuchermangel geschlossen. So haben wir nur noch einen Gymnastikplatz und einen Volleyball Platz.
Wir sind noch immer da und ich hoffe, dass es noch lange so bleibt.

Anton Gaugusch
(der Verfasser dieser Zeilen)
im November 2002, zum Anlass der 100 Jahr Feier.


Anton Gaugusch war Obmann von 1981 bis 1996 und seit 1996 Ehrenobmann und fast bis zu seinem Ableben 2016, ein leidenschaftlicher Turner. Im Wiener Rodelverband war er als Rechnungsprüfer tätig und im Turnrat des WAT-Neubau vertrat er die Rodel- Sparte.

Edgar Mehser
Obmann seit 2006 

Nachruf auf Anton Gaugusch 

Anton Gaugusch ist am 24.08.2016 im 95. Lebensjahr verstorben.

Toni war Jahrzehnte lang im Verein in zahlreichen Funktionen tätig und war ein von allen geschätztes Vereinsmitglied. Wir werden sein Andenken stets in Ehren halten.